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Hier
können die Vorgänge nur theoretisch erklärt werden. Üben müsst
ihr in einem Kurs! Eure Rot-Kreuz-Dienststelle
informiert euch gerne und freut sich auf euren Kursbesuch!
Motorradfahren und Hitze
Wärmehaushalte allgemein
Für den menschlichen Körper ist es wichtig, dass die Körpertemperatur
immer konstant bleibt (36 - 37,8 °C). Die notwendige Wärme zur Erhaltung
der Körpertemperatur erreichen wir durch die Verbrennung der zu uns genommenen
Nahrung.
Zwei Mechanismen sollen die Körperwärme konstant halten:
- Zum einen die Erhöhung bzw. Verminderung der Durchblutung an der Köreroberfläche,
somit wird die Menge der abgegebenen Wärme bestimmt. Dieser Vorgang kann
von uns nicht willentlich gesteuert werden.
- Zum anderen eben die Maßnahmen, die von uns gelenkt werden. Dazu gehört
Kleidung, Heizung, Bewegung usw.
Es
kann zu Problemen kommen, wenn der Körper mit zuviel Wärme konfrontiert
ist, er also mit den oben genannten Mechanismen der Wärmeabgabe nicht mehr
Herr wird.
Hitzeerschöpfung, Hitzschlag und Sonnenstich sind Notfälle, denen wir
vor allem in südlichen Gebieten begegnen werden. Doch auch bei uns gibt es
heiße Tage, die nicht zu unterschätzen sind!
Hitzeerschöpfung, Hitzschlag
Auf dem Weg in den warmen Süden müssen wir oft an einem kalten Morgen
in Österreich starten. Das heißt: warme Kleidung. Meist werden gerade
zu Beginn lange Etappen bewältigt, um schneller ans Ziel zu kommen. Das ist
mit viel Anstrengung verbunden und durch fehlende Pausen bekommt der Körper
nicht die nötige Flüssigkeit zugeführt. Der oft rasche Temperaturwechsel
bleibt unbemerkt, ebenso das Schwitzen, das durch den Fahrtwind nicht so deutlich
wird.
Ihr
startet zB. in einem wolkenverhangenen Wien bei nur 10 °C und seid ein paar
Stunden später in Italien, wo die Sonne die Luft bereits auf 30 °C erwärmt
hat. Zu allem Überfluss müsst ihr dann noch in voller Montur in der
prallen Sonne vor roten Ampeln stehen. Hier können schon saunaartige Temperaturen
unter dem Leder entstehen.
Die Folgen von mangelnder Flüssigkeitszufuhr, hoher Anstrengung und Hitze
sind Konzentrationsschwächen, was beim Motorradfahren ein Problem darstellen
kann. Weiters Kopfschmerzen, Übelkeit im Extremfall bis hin zum Kreislaufversagen.
Diese Zustände ähneln einem Schockzustand, da das Blutvolumen mangels
Flüssigkeit sinkt.
Kommt es zu solchen Zuständen, kann man durch richtige Lagerung (im Kühlen
oder Schatten, flach, mit leicht erhöhtem Oberkörper) den Druck im Gehirn
senken. Damit Wärmeabgabe möglich wird, muss die Kleidung geöffnet
werden (Lederbekleidung entfernen).
Langsame
Gabe von Flüssigkeit, am Besten elektrolythältige Getränke oder
ein Liter Wasser mit einem Esslöffel Salz versehen, stärken den Kreislauf
wieder.
Je nach Stärke des Flüssigkeitsverlustes kann man nach dieser Sofortmaßnahme
noch weitere Flüssigkeit verabreichen.
Achtung: Bewusstlose werden in die stabile Seitenlage gebracht und es darf ihnen
nichts verabreicht werden. In beiden Fällen kann die bis zu 42 °C angestiegene
Körpertemperatur mit kalten Umschlägen an den Extremitäten gesenkt
werden.
Um es gar nicht so weit kommen zu lassen, sollte öfters eine Pause eingelegt
werden. Dabei ist es wichtig, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen (Kaffee
entzieht dem Körper Wasser!). Ebenso mit zunehmnender Wärme auf leichtere
Kleidung umsteigen, aber nicht auf die Schutzfunktion der Kledung vergessen.
Sonnenstich
Durch direkte und intensive Sonneneinstrahlung auf einen ungeschützten
Kopf entstehen durch UV-Strahlung Reizerscheinungen an der Hirnhaut.
Zwar
sind wir Motorradfahrer während der Fahrt optimal durch den Helm gegen Sonneneinstrahlung
geschützt, jedoch gilt für viele von uns "der Weg ist das Ziel".
Dieses Ziel kann zum Beispiel ein Motorradtreffen oder -rennen sein. Kaum vom
Motorrad abgestiegen und den Helm abgenommen, befindet sich unser Kopf oft ungeschützt
in der Sonne und das recht lange. Die Auswirkungen eines Sonnenstichs können
oft erst viele Stunden danach auftreten.
Die Symptome beginnen mit harmlosen Kopf- und Nackenschmerzen. Diese könnten
mit Verspannungen von zu langem Motorradfahren (gebückte Haltung) verwechselt
werden! Schwerwiegendere Folgen wären Übelkeit, Brechreiz, Bewusstseinsstörungen
bis hin zur Bewusstlosigkeit. Ein weiteres Kennzeichen von Sonnstich ist ein hochroter
und warmer Kopf, wobei der Rest des Körpers normale Temperatur aufweist.
Achtung: Alkohol verstärkt die Symptome erheblich!
Zur Orientierung: Ein Tag ungeschützt an der Sonne kann bereits einen
schweren Sonnenstich hervorrufen. Kommt es zu den oben genannten Erscheinungen,
sollte bei der Erste Hilfe-Leistung folgendes beachtet werden: Lagerung mit erhöhtem
Kopf, selbstverständlich an einem schattigen, frischen Ort. Zusätzlich
kann der Kopf mit feuchten, kalten Umschlägen gekühlt werden. Motorradfahren
in diesem Zustand ist auf gar keinen Fall sinnvoll.
Achtung: auch hier wird der Bewusstlose (wie immer) in die stabile Seitenlage
gebracht. Zusätzlich sollte der Kopf wie oben beschrieben gekühlt werden.
Um überhaupt einen Sonnenstich zu vermeiden, sollte man rechtzeitig eine
Kopfbedeckung aufsetzen. Ein behaarter Kopf bietet zwar etwas Schutz, schließt
aber einen Sonnenstich nicht aus! Sonnenstich und Hitzeerschöpfung können
auch gleichzeitig auftreten!
Sicherlich sind Hitzeerschöpfung und Sonnenstich nicht die primären
gesundheitlichen Notfälle eines Motorradfahrers, aber gerade im Sommer sollten
diese Gefahrenpunkte nicht außer Acht gelasen werden. Schließlich
können diese Hitzeerscheinungen im Extremfall durchaus lebensbedrohliche
Folgen haben.
Daniel "Tintifax" Neuhauser
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