| Der Weg von einer Motorrad fahrenden Gemeinschaft zum MC
Wir haben großen Wert darauf gelegt, einen allgemeinen Anhalt zu recherchieren
und darzustellen. Regionale Unterschiede kann es jedoch geben. Zumeist weiß
der nächste MC Genaueres, in jedem Fall kennen aber die Bundeslandsprecher
der Österreichischen Biker Union
(ÖBU) die Einzelheiten.
Zuerst zu dem, was vorhanden sein sollte, bevor man mit der Gründungsabsicht
an die Öffentlichkeit geht:
Es muss die im "Knigge" beschriebene Gemeinschaft bereits bestehen,
geprägt vom Wissen, worum es in einem MC geht und der Überzeugung, diesen
Weg gehen zu wollen. Wer den Schnellsiedekurs "MC in zwei Wochen" belegen
möchte, ist bei der ÖBU an der falschen Adresse. Dieses Wissen entsteht
nur durch Szene-Erfahrung.
Welche "sachlichen" Anforderungen werden an so eine Gemeinschaft gestellt?
Zumindest sechs überzeugte Leute, die wissen, worum's geht und
was sie tun, mit - banal klingend, aber hier nicht grundlos vermerkt - Motorradführerschein und eigenem Bike auf der Straße
fahrend! Dreier-Grüppchen aus Autofahrern und ewigen Bastlern, die nie zum Fahren kommen, sind nicht glaubhaft. Aus Erfahrung
rächt es sich früher oder später.
Ein gewisser Ernst in der Absicht wird auch nachgewiesen, dass der MC in spe einen eigenen Treffpunkt hat,
wohin er sich ungestört zurückziehen
kann, also kein Stammtisch beim Wirt und auch nicht die Küche der elterlichen
Wohnung. Von der Mühe, einen geeigneten Clubraum zu finden, können einige
MCs ein Lied singen. Die Anstrengungen bei der Suche und auch der Einsatz bei
der Adaptierung und Gestaltung eines Clubraums oder -lokals prüfen natürlich
die Gemeinschaft und wer es geschafft hat, beweist seine Einigkeit einmal mehr.
Es dürfte nun einige Zeit in dieser Gemeinschaft vergangen sein und der Schritt an die Öffentlichkeit
wäre möglich. Wie bereits beschrieben,
müsste so ein angehender MC bereits über einige Szene-Erfahrung und
gewachsene Kontakte verfügen. Der Gründungswille ist also zumeist ebenso
bekannt wie die Biker, die dahinterstehen. Andernfalls sollte man den Kontakt
suchen, übrigens ohne Colour am Rücken! Aus dem Nichts gleich mit Colour
aufzutauchen und Akzeptanz zu erwarten, ist anmaßend und naiv.
In jedem Fall ist der Kontakt zu benachbarten MCs - ÖBU oder nicht
- wesentlich. Sucht man den Zugang über die ÖBU-Bundeslandsprecher -
was auch möglich ist, wenn man später nicht der Union beitreten möchte
- wird auch die ÖBU bei Bedarf versuchen, diesen neuen Club kennen zu lernen.
Eine Möglichkeit wäre ein Besuch und auch die Einladung zu einer der
viermal jährlich stattfindenden ÖBU-Bundeslandsitzungen. Die ganze Sache
beruht auf Vertrauen, soll wachsen und braucht somit ihre Zeit.
Inzwischen sollten auch Name und Colour des zukünftigen MCs entworfen
werden (übrigens bevor der Sticker beauftragt wird!). Der Entwurf wird in
der Szene bekannt gemacht, zB. über die ÖBU und natürlich auch
über "Biker in Österreich". Es ist eine Sache des Respekts
gegenüber den bestehenden MCs, Ähnlichkeiten im Namen bzw. im Colour
zu vermeiden.
Auch diverse Farbkombinationen gehören dazu. Ein sachlicher Grund dafür
ist zB., dass Szene-Fremde stets auf das achten, was auffällt: "Ein
ganz lautes Motorrad hatte der und so ein Abzeichen mit einem Flügel am Rücken
und die Schrift war weiß-rot!" Wer kapiert hat, worum es geht, wird
den Einspruch eines bestehenden MCs respektieren.
In dieser Gründungsphase fällt besonders den regionalen MCs wesentliche
Bedeutung zu, ob in der ÖBU oder nicht. Die ÖBU kann zwar vermitteln,
die Entscheidung liegt jedoch bei den umliegenden MCs.
Die Ausnahme: Ein ausländischer MC möchte ein Carter bzw. Chapter in
Österreich gründen. In diesem Fall entscheidet die Gemeinschaft der
österreichischen MCs.
Besteht die Zustimmung zur Gründung und auch keine Einwände gegen Name
oder Colour von anderen Clubs, folgt für den MC in spe eine "Hangaround"-Zeit.
Ob mit Ärmelpatch oder ohne und wie lange ist verschieden, gehen wir jedoch
von einem Jahr aus. In diesem Jahr wird Mitarbeit und Präsenz in der Szene
erwartet wie auch eine Weiterentwicklung der Gemeinschaft. Eine Möglichkeit
wäre zB. ein Clublokal zu schaffen, wenn es noch keines gibt.
Bewährt sich der Club, folgt danach der Übergang zum "Prospect"-Club.
Auch hier sind benachbarte MCs federführend. Es sollte wiederum ein aktives
Jahr mit Interesse an der Gemeinschaft folgen, kein Maulwurfdasein. Während
dieser Zeit darf der Club entweder seinen Ärmelpatch führen oder den
"Bottom Rocker" seines Colours und "MC" - auch das wird verschieden
gehandhabt.
Die Aufnahme als MC mit Full-Colour ist nach der Prospect-Zeit der letzte
Schritt. Ein neuer MC ist on the road, was auch Österreichweit bekannt gemacht
wird! Von ihm wird aber auch weiter aktive Mitarbeit in der Szene erwartet, besonders,
wenn er sich zum Eintritt in die ÖBU entscheidet. Dies steht jedem MC frei,
der gewisse Anforderungen erfüllt.
Blacky
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