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BIKERKNIGGE



MCs und Frauen

Ein heikles Thema. Und seit jeher auch ein heiß diskutiertes Thema.

Zahlreiche Clubs nehmen - wie auch die MCs der Österreichischen Biker Union (ÖBU) - bekanntermaßen keine Frauen als Member in ihre Reihen auf. Mit unseren Co-Autoren aus den Reihen der ÖBU wollen wir uns nun an dieses Thema wagen, jedoch nicht als oberflächliche Proklamation der Fakten, das wäre zu billig. Aber auch eine Rechtfertigung der Sachlage ist nicht unser Ziel, denn das ist nicht nötig. Uns geht es hier darum, die gelebte Praxis zu erläutern.

Die Tatsache, dass Frauen in einem MC nicht Mitglied werden können, bedeutet nicht, dass sie keine Rolle spielen. Im Gegenteil, Frauen verkörpern eine der tragenden Säulen eines MCs.

Die Mitgliedschaft in einem MC streift man nicht ab wie ein T-Shirt oder lässt sie mit dem Bike vor der Türe stehen. Member zu sein greift auch tief in das Leben außerhalb des MCs ein und beeinflusst eine Partnerschaft oder das Familienleben nachhaltig.

Umso schwieriger ist es, eine Partnerin zu finden, die das akzeptiert bzw. sogar unterstützt, denn jedes Entgegenwirken würde zum Scheitern der Beziehung führen. Nur Frauen, die 100%ig zu ihrem Partner stehen, können die dafür nötige Energie und Bereitschaft aufbringen und nur sie können beurteilen, was es bedeutet, eine Beziehung mit einem MC-Member zu haben: Clubabende, Arbeiten für Partys, Rallys Verpflichtungen in der Clubszene und viel Unvorhergesehenes stellen jede Partnerschaft auf eine harte Probe.

Die Partnerschaft bzw. Familie eines MC-Members kann zeitweise fast ins Hintertreffen geraten. Anerkennung und Respekt gebühren jeder Frau, die sich hier einsetzt - ein Einsatz, der sicher an der freien Arbeit eines MCs nicht unwesentlichen Anteil hat.

Beim Stichwort Arbeit drängt sich die Behandlung der zuweilen vertretenen Ansicht in den Vordergrund, Frauen dürfen natürlich in einen MC, aber nur zum Putzen. Abgesehen von dem erbärmlich chauvinistischen Beigeschmack müssen wir dem auch aus einem anderen Grund entgegentreten: Die weibliche Unterstützung bei den hausfraulichen Tätigkeiten in der Vorbereitungsphase von Festen oder Partys mag sich oft positiv auf die spätere Zufriedenheit der Gäste auswirken, die Sauberkeit des Clubhauses bzw. -geländes ist jedoch Sache des MCs - der Hangarounds, Prospects oder eben der Member selbst.

Wenn nun aber Frauen eine so wertvolle Stütze des MCs darstellen, warum dürfen sie nicht Mitglied werden?

Ein einfaches Beispiel: Eine Frau und ein Mann im Idealfall einer wunderbar funktionierenden Partnerschaft, beide sind Member in einem Club. Dann geht die Beziehung in Brüche und das meist nicht nach der "Gute-Freunde-Methode". Es werden sich zwei Lager bilden, die auch den Club spalten können. Die enge Gemeinschaft, das Wesen eines MCs, wird von innen aufgelöst.
Aber auch, wenn das nicht passiert, wie geht's weiter? Bleiben beide im Club, laufen sie sich zumindest wöchentlich über den Weg. Schwierig!

Beispiel zwei: Eine Frau ist Mitglied in einem MC, was ihr Leben genauso vereinnahmt, wie eingangs beschrieben: Clubabende, Parys, Rallys, oft auch über mehrere Tage. Akzeptiert das ihr Partner so ohne weiteres, dass sie mit ihren männlichen Membern soviel Zeit verbringt?
Oder umgekehrt: Würden es die Partnerinnen der männlichen Member akzeptieren, wenn der MC weibliche Mitglieder hätte und der Club zB. für ein langes Wochenende an die Adria fährt? Wer ehrlich zu sich selbst ist, wird sich zumindest ein gewisses "komisches Gefühl" eingestehen müssen.
Damit wird eine Beziehung, die durch den Einsatz als MC-Member ohnehin stark gefordert ist, noch zusätzlich strapaziert.

Der zwischenmenschliche Faktor von Liebe und Partnerschaft ist unvereinbar mit dem MC-Ethos, da Beziehungen zwischen Mann und Frau andere Wertigkeiten haben als ein MC. Der Biker-Ethos, jene nicht rational begründbaren Normen, welche unsere verantwortungsvolle Grundhaltung prägen, wurde in seinen Wurzeln aus einer Männergesellschaft gebildet, durch sie geformt und ist in ihr zur bewährten Tradition gewachsen. Er hätte sich nicht zu seiner heutigen Form entwickeln können, und weder Ethos noch MCs würden sich in diesem Sinne weiterentwickeln, wenn die Komplikationen partnerschaftlicher Beziehungen zum Tragen kämen.

Diese Wechselwirkung ist natürlich nicht nur aus der Sicht der Männer erkennbar. Frauen, die sich zu Clubs zusammenschließen und keine Männer als Mitglieder akzeptieren, werden ähnliche Beweggründe haben und dies ebenso nicht aus einer simplen Ablehnung oder gar Geringschätzung des anderen Geschlechts heraus tun.

Hömal 81 & Blacky