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BIKERKNIGGE



Der MC - Die Funktionen

Keine Hierarchie, sondern ein Finden und Zuordnen von Aufgaben ...

Ein MC ist banal soziologisch betrachtet eine Gemeinschaft. Seit Urzeiten funktionieren Gemeinschaften nach denselben Wechselwirkungen zwischen jenen, die ein gewissen Bereichen das Sagen haben, und denen, die sich danach richten.
Nun mag sich diese Beziehung nicht immer in Amtstiteln oder Dienstgraden niederschlagen, de facto ist sie aber vorhanden. So auch in einem MC, aber als Struktur, nicht als Hierarchie.

Wir haben bereits den Unterschied zwischen "Rechtsgesetzen", die von einer Autorität festgesetzte, erzwingbare Normen darstellten, und "moralischen Gesetzen", die zB. aus der Tradition herausgebildet werden, dargestellt. Letztere formten und formen den Biker-Ethos, jene "aus der bewährten Tradition geltenden, nicht rational begründbaren Normen, welche die verantwortungsvolle Grundhaltung einer Gruppe prägen". Dies ist im Gegensatz zu Rechtsnormen nicht über Autorität durchsetzbar. Diese Nicht-Autorität - hier bewusst im Unterschied zu Anti-Autorität gebraucht - setzt sich im MC natürlich fort.

Wir sprechen also absichtlich von einer Struktur der "Funktionen" im MC und nicht von "Positionen"!
Es ist in unseren Augen keine Hierarchie, sondern ein Finden und Zuordnen der Aufgaben.
Hierarchien haben auch immer etwas mit Vorgesetzten und Untergebenen zu tun, hemmen damit einerseits und stehen andererseits in krassem Gegensatz zum Freiheitsgedanken.

In einem MC zählt jede Stimme gleich viel. So werden die individuellen Stärken der Member im Sinne der Gemeinschaft des MCs genutzt und dennoch ist sich jeder der Gesamtverantwortung für den Club bewusst, was Voraussetzung ist. Es wäre auch eigenartig, wenn ein Member diese Verantwortung nur "denen da oben" überlassen würde. Damit ist ein MC, in dem von Außenstehenden oft nur ein enges Regelkorsett gesehen wird, wesentlich weiter vom Diktat eines Führungskreises entfernt als so mancher Verein zur Förderung der Demokratie.

Zu den Funktionen

Ohne die oben verteufelte Hierarchie doch wieder darstellen zu wollen, beginnen wir beim Präsidenten. Manche nennen ihn auch President, Präsi, Presi, Pres oder Prez etc. Er ist aber weder der Herrscher noch eine reine Repräsentationsfigur. Er ist so etwas wie der Gesamtkoordinator. Über ihn laufen die Infos und Aktivitäten, er sitzt - ob allein oder nicht - in diversen Gremien wie der ÖBU und natürlich hat er gewisse Führungsaufgaben. Seine Stimme zählt jedoch wie jede andere. Keinesfalls ist er für alles zuständig oder allein verantwortlich. Das wäre zum Scheitern verurteilt.

Die Funktion des Vizepräsidenten, auch Vice President, Vize, Vice usw. genannt, wird unterschiedlichst gehandhabt. Er vertritt jedenfalls den Präsidenten und kann im Falle eines Falles - zeitlich begrenzt oder unbegrenzt - seine Funktion übernehmen.
Wir sehen eine weitere Aufgabe in der Zuständigkeit für die internen Belange eines MCs als Anlaufstelle für Fragen und Sorgen von oder auch Probleme zwischen Membern sowie im Clubleben.

Der Sergeant at Arms ist eine Funktion, die zumindest offiziell nicht in jedem MC besetzt ist. In irgendeiner Form wird sie aber zumeist doch wahrgenommen. Er ist wie auch immer für die innere und äußere Sicherheit des Clubs verantwortlich, und das auch auf einem Fest im tiefsten Irgendwo um vier Uhr früh. Auf Festen des Clubs fallen ihm natürlich besondere Aufgaben zu und auch die Sicherheit des Clubhauses geht auf sein Konto.

Der Secretary, Sekretär oder wie sonst noch genannte Meister der Worte ist der Club-Kontakt in Papier- oder elektronischer Schriftform und das nach außen und auch innerhalb. Er bereitet weiters Sitzungen vor, führt Unterlagen, pflegt Medienkontakte usw. Zu seinen Aufgaben kann auch der Internet-Auftritt des MCs gehören, was natürlich andere Anforderungen an sein Können stellt. Der Begriff "Web-Secretary" ist diesbezüglich schon aufgetaucht.

Eine besondere und am besten angeborene Eigenschaft muss auch der Kassier oder Treasurer mitbringen: Geiz! Seine Funktion ist wohl jedem klar. Es muss extrem schwierig sein, ihm auch nur einen Silberling zu entlocken. Er ist aber nicht nur der Hüter der Finanzen, sondern auch verantwortlich für das Einbringen der Mitgliedsbeiträge und die treibende Kraft, wenn es darum geht, die Clubfinanzen zB. durch ein Fest wieder zum Leben zu erwecken.

Der Road Captain oder Road Master ist verantwortlich für Clubbewegungen, also das zeitlich begrenzte örtliche Verändern. Seine Arbeit beeinflusst Ausfahrten, Touren, Cluburlaube u.A. entscheidend, denn er ist für die Routenwahl, Übernachtungen, das Planen der Pausen, die Organisation von etwaigen Begleitfahrzeugen, Tickets, Fähren, den Kontakt zu Reisebüros usw. verantwortlich.
Wie bei allen Funktionen ist der Road Captain damit aber nicht alleingelassen, denn alle Member unterstützen ihn nach Kräften.

Die Funktionen koordinieren die Arbeit aller (und arbeiten natürlich selbst mit). Teamwork ist in einem MC kein leeres Wort. Damit wird aber auch das (Fach-)Wissen über die einzelnen Bereiche auf breiter Basis gehalten. Sollte eine Funktion ausfallen, ist das Bestehen des Clubs nicht gefährdet. Eine MC-Eigenschaft, die viele Unternehmen erfolglos zu erreichen versuchen. Dies trifft übrigens auch auf das Erlangen der Funktionen zu. Allein der Club entscheidet nämlich, wer welche Funktion bekommt und dafür sind persönliche Eigenschaft und Einsatz interessanter als Dienstjahre oder "gute Kontakte". Wenn jemand keine Funktion erhält, es er deshalb auch nicht "geringer".

Blacky