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BIKERKNIGGE



MCs und Polizisten

Es gibt viele Kosenamen für sie, die Damen und Herren, die fast jedem Biker schon einmal auf die Nerven gegangen sind: Weit verbreitet ist wohl der Begriff "Bulle", den man angeblich sogar ungestraft verwenden kann, da so ein Bulle ja ein starkes, potentes Tierchen ist. Auch "Kieberer" hört man oft, was vom Kiebitzen kommt, dem geheimen Spähen. "Heh" ist ein Ausdruck, den man eher im Großraum Wien findet und seinen Ursprung im Wort "Höhe" hat, was einst den Polizisten auf dem (hohen) Pferd bezeichnete. "Schande" leitet sich vom Gendarmen her. Wie auch immer bezeichnet, sie müssen alle damit leben, dass die Tore der meisten MCs für sie verschlossen bleiben - als Member ohnehin und oft auch als Gäste.

Zuerst räumen wir mit einem weit verbreiteten Irrglauben auf: MCs verschließen sich nicht gegenüber Polizisten, weil gesetzeswidrige Handlungen den Alltag eines Clubs prägen!
Auch wenn vielerorts versucht wird, die Szene zu kriminalisieren, ist das Wesen eines MCs keinesfalls im (mehr oder weniger) organisierten Verbrechen zu suchen. Nur weil die Werte, die dem Ethos des Bikertums zu Grunde liegen, nicht von jedermann verstanden werden, sind Außenstehende oft versucht, gleich alles pauschal als verdächtig einzustufen. Diese einmal vorgefasste Meinung wird dann leider zum Teil solange verfolgt, bis sich der Verdacht irgendwie bestätigt. Die Gefahr dabei ist, die uralte Gleichung "Colour = böse" aufleben zu lassen und die Szene insgesamt zu (vor)verurteilen.

Das Sammeln von Informationen, deren Aufbereitung und Verdichtung sowie diese dann "an den Mann zu bringen", ist die Aufgabe, zu der sich Exekutivorgane verpflichten. Über kurz oder lang ergeben sich dabei Gewissenskonflikte zwischen der vom Verstand befohlenen Pflichterfüllung und dem vom Herz gesteuerten Wollen: einem Freund den Führerschein abnehmen, einen Verwandten anzeigen, einen Kollegen bestrafen.

Je überzeugter und pflichtbewusster ein Polizist seine Aufgabe erfüllt und je stärker die Verbindung zum Gegenüber ist, desto größer ist der Konflikt. Eine der stärksten Verbindungen ist unzweifelhaft jene zwischen MC-Membern. Auf der anderen Seite verlangt die Polizeiarbeit, der Beruf als Buhmann der Nation um wenig Geld, auch wesentlich mehr an Überzeugung als zB. die eines Gelegenheitsarbeiters.
Hier kann es unweigerlich zum beschriebenen Handlungskonflikt kommen, aber - und das ist der Punkt der Sache - ein Member, der gleichzeitig Polizist wäre, würde in einem Konflikt seiner Überzeugungen leben müssen. Und das funktioniert nicht.

Zwei Beispiele

In Deutschland wir zB. seitens der Gesetzgebuzng zum Halali geblasen und ein Club soll gleich bundesweit von der Bildfläche verbannt werden. Wie soll das nun funktionieren, wenn unter den Membern Polizisten sind? Ziehen die dann frewillig ihr Colour aus und nehmen ihren Brothers die Colours ab? Oder setzen sie sich gegen ihre Kollegen zur Wehr, die ihren Auftrag auszuführen haben?

Oder:
Ein MC-Member, angenommen er wäre Polizist, plant den Besuch eines Treffens, was ihm ein Einsatzbefehl leider vereitelt - ein Einsatzbefehl für eben dieses Bikertreffen. Nun könnte er diesen Einsatz wegen Befangenheit ablehnen. Dass dies eine reelle Alternative ist, möchten wir aber anzweifeln. Schließlich kann er nicht immer absagen, wenn er sich seiner Berufung folgend Richtung MC-Szene in Marsch setzen sollte. Ergreift er nun die Uniform und begibt sich zum Treffen? Das wird Veranstalter und Gäste kaum erfreuen, wenn der Biker, der gerade noch im Clubhaus zu Gast war, in Uniform kommt und "amtshandelt". Der Konflikt unvereinbarer Ideologien ist nicht wegzudiskutieren.

Unbestritten ist also die Unvereinbarkeit des Polizistentums mit der MC-Mitgliedschaft, mit "the one percent that doesn't fear or care" oder etwas freier formuliert gilt im MC: "A Kieberer is ka Haberer."

Hömal 81 & Blacky