| Wie mehr und mehr Anfragen an die Redaktion zeigen, hört man ziemlich
viel über Bikergepflogenheiten, aber leider auch recht viel Schmarren.
"Biker in Österreich" wird oftmals als Chopperzeitschrift oder
Rockerblatt angesehen, aber Biker sind weder ausschließlich Chopperfahrer
noch allesamt Rocker. Diese Auffassung ist typischerweise ein Überbleibsel
aus einer keineswegs lang vergangenen Zeit, in der Motorradfahrer und Rocker mit
Masse in einem Atemzug genannt wurden, ist aber heute so veraltet wie Karbidlampen
und Breeches.
Wenn wir von Bikern sprechen, für und über Biker schreiben, meinen wir
Motorradfahrer aller (Aus-)Richtungen, die nicht nur Motorradbesitzer sind, sondern
auch die Gemeinschaft unter Motorradfahrern achten und pflegen.
Knieschleiferpiloten können genauso dazugehören wie Speedys, Tourenkilometerfresser,
Geländegänger oder Easy Riders, denn einerseits ist keine Motorradmarke oder -type
ausgenommen und andererseits bekommt man den "Titel" Biker
mit keinem Krad mitgeliefert, auch wenn uns das die Werbung einzureden versucht.
Vom Motorradbesitzer zum Biker wird man erst durch seine Einstellung und sein
Verhalten.
Da Biker recht freiheitsliebende Menschen sind, werden wir keinerlei Maßregeln
aufstellen, wie man sich zu verhalten hat. Die meisten von uns besteigen ihr Motorrad,
um dem Alltag zu entfliehen, Zwänge hinter sich zu lassen und einmal richtig
durchzuatmen.
Unserer Meinung nach ist dieses Ausbrechen durch Vater Staat ohnehin stark reglementiert,
dass weitere Regeln nicht zielführend sind. Wir beschränken uns auf
die Darstellung der Sitten und Traditionen.
Der Gruß I
Motorradfahrer grüßen sich. Es stellt sich vielen die Frage, wann
denn wer wie üblicherweise gegrüßt wird.
Am Motorrad sitzend, im Fließverkehr oder beim Vorbeifahren an stehenden
Bikern grüßt ein Biker per Handheben und zwar zumindest dann, wenn
man der Meinung ist, dass man gesehen wird und die Situation sowie die Sicherheit
es gefahrlos ermöglichen.
In einer Spitzkehre über rechts werden beide Hände am Lenker gebraucht
und bei Regenschauer und böigem Seitenwind auf der Autobahn auch - obwohl
schon öfters ein freundlicher Gruß das Wasser in den Boots ein wenig
wärmer erscheinen ließ.
Ob das nun einem himmelhohen Winken ähnelt oder eher einem asphalttiefem
Deuten zuzuordnen ist, wird zumeist aus der Fahrhaltung resultieren. Der Stinkefinger
ist übrigens kein Gruß unter Bikern und das immer wieder zu beobachtende
Fußheben war vielleicht mal witzig, zieht aber mittlerweise keinen Mundwinkel
mehr nach oben.
Freilich kann das in Arbeit ausarten, wenn man bei Kaiserwetter auf Traumstraßen
hunderten Bikern begegnet, aber daraus ein Problem zu machen, lohnt wohl kaum.
Nur weil nicht jeder gegrüßt wird, ist das Bikertum nicht im Aussterben.
Der Gruß II
Das Händeschütteln unter Bikern sieht etwas anders aus als das von
Politikern - und das nicht nur, weil es ehrlich ist. Dieser Bikergruß kommt
aus den USA und ist seit Jahrzehnten üblich. Viele haben ein Problem damit,
Bikerinnen auf diese Art zu begrüßen, was aber Nonsens ist.
Weitere Begrüßungsrituale, wie man sie in amerikanischen Filmen und
TV-Serien sehen kann, sind nicht allgemein üblich und individuell verschieden.
"Geheime" Begrüßungsrituale, die unter Bikern gebräuchlich
wären, sind nicht bekannt.
Gemeinschaft
Die Gemeinschaft unter Bikern wurde durch den Motorradboom ziemlich ausgehöhlt.
Dennoch sollte es für einen Biker selbstverständlich sein, sich gemeinschaftlich
zu verhalten. Es wird nicht erwartet, dass jemand auf der Autobahn von der dritten
Spur auf den Pannenstreifen schneidet, weil dort ein Biker steht, der offensichtlich
ein Problem hat, aber auf der Landstraße mit dem erhobenen Mittelfinger
vorbeizutuckern, ist vom Bikertum Lichtjahre entfernt.
Abgesehen davon sollte sich auch jeder an der Nase nehmen, ob er andere Biker
missachtet oder gefährdet, denn Motorradfahren ist eine Sache des Könnens
und somit individuell stark verschieden. Einen Fahranfänger in einer Kehre
zu überholen, die er mit Mühe umeiert, zeigt nicht von Können oder
Stärke, sondern neben zahlreichen Begriffen aus der geistig minderbemittelten
Ecke auch vom Missverständnis des Begriffes Bikertum.
Blacky
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